Das Spiel mit den Mustern des Genres setzt voraus, dass der Leser sie kennt – es ist gewissermaßen ein Humor, der vor allem bei Eingeweihten funktioniert. Durch die Reflexion des Erzählers und seine Ausführungen senkt Colfer diese Hürde ab, dadurch ist seine Komik einfach und direkt.

    Eine andere Rolle spielen die Muster des Kriminalromans bei Heinrich Steinfest. Komik entsteht in seinen Büchern durch absurde Situationen, in denen die bekannten Elemente des Kriminalromans für Vertrautheit sorgen. Deshalb kann Klaus Vavra in „Tortengräber“ nicht widerstehen, die Nummer anzurufen, die auf einem Geldschein steht, den er bei seinem täglichen Kauf eines Croissants erhalten hat – und wird prompt als Entführer eines Mädchen verdächtigt. In „Nervöse Fische“ wird ein Mann tot auf einem Hochhaus gefunden und alles deutet darauf hin, dass er von einem Hai in einem Swimmingpool angegriffen wurde. In „Mariaschwarz“ sorgt die Suche des ‚perfekten Gastes‘ Olander nach seiner Tochter dazu, dass Kommissar Lukastik Löcher im Universum stopfen will – nicht nur im metaphorischen Sinn. Denn die Welt ist bei Heinrich Steinfest nicht auf das Sichtbare beschränkt. Oftmals geht er tief hinab in das Verborgene, in Höhlen voller Dodos („Die feine Nase der Lilli Steinbeck“) oder gleich in unterirdische Verbrecherrepubliken („Die Haischwimmerin“). Die kriminellen Taten, die dorthin führen und aufgeklärt werden, erden diese phantastische Weltsicht, sie schaffen einen Bezug zur Realität.

    Daneben entstehen durch die Umkehrung vertrauter Krimi-Situationen komische Elemente, beispielsweise werden Bücher hinzugefügt anstatt gestohlen. „Die Haischwimmerin“ beginnt mit einer im Genre üblichen (und oftmals unnötigen) Vorgeschichte, allerdings wird bei Steinfest nicht eine möglichst brutale Tat an einem unschuldigen Opfer geschildert, sondern die erste Begegnung von Ivo und Lilli Steinbeck sowie die Entdeckung seiner Berufung zum Baumheiler. Auch sind Steinfests Haupt-, ja wenn man so möchte Serienfiguren, vertraute Krimipersonen: die Polizisten Lukastik und Lilli Steinbeck beispielsweise oder Markus Cheng, Wiener Chinese und Privatdetektiv. „Für einen klassischen Detektiv war eigentlich kein Platz in dieser Stadt, in der ja auch kaum klassische Verbrechen begangen wurden“, dennoch taucht eines Tages ein Mann bei ihm auf, der ihn bittet herauszufinden, warum er von einer ihm unbekannten Frau bedroht wird. Das ist eine klassische Ausgangssituation, ehe sich Cheng jedoch versieht, ist sein Klient tot und er hat selbst einen Arm verloren. Fortan wird der einarmige Detektiv Cheng noch in drei weiteren Romanen von Heinrich Steinfest sehr eigenen Fällen nachgehen.

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