Musterspiele

von Sonja Hartl

 

Im Kriminalroman gibt es von brachialen Schenkelklopfern bis zu raffinierten Parodien verschiedene Spielarten des Komischen. Ein Element ist dabei das Spiel mit den Mustern des Genres, das auf vielseitige Weise erfolgen kann und sich bei so unterschiedlichen Autoren wie Eoin Colfer und Heinrich Steinfest findet.

    „Der Tod ist ein bleibender Schaden“ und „Hinterher ist man immer tot“ – diese Titel von Eoin Colfers Büchern um den irischen Gangster Dan McEvoy lassen eher eine klamaukhafte Komödie erahnen als Kriminalromane. Tatsächlich setzt Colfer auch auf derbe Witze und eine bisweilen wenig überraschende Handlung, daneben versteht er aber das Spiel mit Genremustern und -regeln. Beispielsweise beginnt sein zweiter Kriminalroman mit dem Hinweis, dass der „großartige Elmore Leonard (…) gesagt“ habe, „man sollte eine Geschichte niemals mit dem Wetter anfangen lassen.“ Dieser ersten Regel von Leonards „Ten Rules of Writing“, die sich Leonards Anhänger „brav in ihre Moleskine-Notizbücher“ geschrieben haben, folgt dann eine Auseinandersetzung, denn – darauf will Colfer von Anfang an hinaus – „trotzdem beginnt eine Geschichte manchmal mit dem Wetter“. Und deshalb sei es mitunter notwendig, das Wetter an den Anfang zu stellen. Dieser Einstieg in das Buch besorgt dreierlei: Er setzt den humorvollen Grundton, unterstreicht die Genre-Kenntnisse des Autors und nicht zuletzt vermeidet Colfer, mit dem Wetter anzufangen, nur um dann auf eben dieses zu kommen.

    In Colfers McEvoy-Büchern gibt es viele dieser Spielereien, schon seine Hauptfigur ist einer jener leicht depressiven Gangster im Stile Tony Sopranos, er leidet unter seinem Haarausfall und den Umständen seines Lebens. Er arbeitet als Türsteher und hadert mit seiner Vergangenheit als Soldat. Mal muss er einer (vermeintlich) hilflosen Frau beistehen, mal seine eigene Haut retten, er sucht Orte auf, die an Krimiklassiker wie Chandlers „The Big Sleep“ denken lassen. Jedoch vermeidet Colfer durch den Erzählstil das bloße Epigonentum. McEvoy ist Hauptfigur und Erzähler, deshalb macht er sich ausgiebig über die Klischees der irischen Gangster lustig, um wenig später genüsslich seinen Jameson zu trinken. Außerdem setzt er sich beständig mit seiner Rolle und dem Genre auseinander. So steht am Anfang eines Kapitels: „In jedem Noir-Krimi, den ich je gelesen habe, gibt es eine Stelle, wo der Detektiv nach einer Prügelei wieder zu sich kommt. Diese Stellen haben mir nie gefallen, weil manche Schriftsteller ihre Sache viel zu gut machen und diese einem Mann wie mir, der so häufig Prügel bezogen hat, dass man ihm was vom IQ abziehen müsste, viel zu sehr unter die Haut gehen.“ Was folgt, ist ebenso offensichtlich wie amüsant: Dan wacht nach einer Prügelei wieder auf und gerät natürlich in einen noch viel größeren Schlamassel.

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