Komik ist im Krimi (fast) überall

von Carsten Germis

 

Können gute Kriminalromane komisch sein? Müssen sie heutzutage möglicherweise sogar komisch sein? Mord ist bekanntlich nicht witzig, die dunklen Seiten der Gesellschaft, die den Krimi ausmachen, ebenfalls nicht. Doch Humor ist bekanntlich auch ein Weg, das Grauen zu bewältigen – weswegen in Diktaturen die besten Witze erzählt werden. Humor dient den Menschen von Beginn an als Mittel, mit dem er den Widersprüchen und Ungereimtheiten seiner Umgebung, der ach so mangelhaft ausgerichteten Welt etwas entgegensetzen kann. Bertolt Brecht, der Krimis bekanntlich verschlungen hat, soll einmal gesagt haben:

„Es ist schlimm, in einem Land zu leben, in dem es keinen Humor gibt. Noch schlimmer ist es, in einem Land zu leben, in dem man Humor braucht.“ 

Könnte es also sein, dass gerade der ambitionierte Kriminalroman, der Noir, Komik gut gebrauchen kann? Der Hamburger Autor Robert Brack – oft mit Krimipreisen geehrt und unverdächtig, einer der von der Kritik geschmähten Mainstream-Schreiber zu sein – hat in der Szene nicht den Ruf komisch zu schreiben. Und doch: Mit „Die drei Leben des Feng Yun-Fat“ hat Brack im Februar eine Fortsetzung seiner bislang drei Lenina-Rabe-Kriminalromane geschrieben, die es in Sachen Komik in sich hat.

Robert Brack, ein eher politischer Autor, soll komisch sein? Wird über Komik im Krimi gesprochen, ist meistens von unterhaltsamen Provinzkrimis die Rede, wie sie Rita Falk sehr erfolgreich über ihren Polizisten Eberhofer aus Niederkaltenkirchen geschrieben hat. Die Titel „Sauerkrautkoma“ oder „Zwetschgendatschikomplott“ sind hier schon Programm. Falk und Brack in einer Reihe? Gewiss nicht; aber Komik appelliert an den Verstand. Nur da, wo ein Konflikt erkennbar ist, ist Platz für das Komische. Das Komische ist deswegen eng verwandt mit dem Absurden. Komik versöhnt den Menschen mit dem Leben, mit der unvollkommenen Gesellschaft, in der er seit Jahrtausenden irgendwie zurechtkommen muss. Die Welt bleibt unordentlich, sie bleibt verlogen, sie bleibt korrupt. Und dennoch lachen die Menschen über sich und über diese Welt. Sie lachen, weil uns diese Welt noch etwas angeht.

Krimiautoren wie Carl Hiaasen leben von dieser Art der Komik. Bis heute unübertroffen bleibt neben Hiaasen der Amerikaner Gregory Mcdonald mit den Kriminalromanen um den Zeitungsreporter Fletch. Ganz anders die Komiker des Golden Age, allen voran der Komponist und Musikwissenschaftler Bruce Montgomery, der seine Kriminalromane unter dem Pseudonym Edmund Crispin schrieb. Sein Meisterwerk „Der wandernde Spielzeugladen“ ist ein Paradebeispiel für den klassischen britischen Krimi, der das intellektuelle Vergnügen des Rätsellösens zum komischen Spiel weitete. Im Deutschen fällt einem vor allem Wolf Haas ein, dessen Brenner-Romane Kult und komisch sind. "Aber das Zentrale ist die Komik", hat Brack einmal gesagt.

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