Liebe Leserinnen und Leser,

mal ehrlich, ist unser Zeitalter nicht Pulp? Wie zu einem Groschenheft zusammengestellt kommen einem die politischen Themen vor, die in den Nachrichten auftauchen und zu jeder Zeit online geschaltet sind. Wir selbst Randfiguren, die um Bedeutung ringen. Ein Grund, sich im Genre einmal dem Begriff Pulp zu nähern. Woher stammt er, wie hat er sich verändert, wie sehr wehren sich Autoren dagegen, dieses Etikett an die Brust geheftet zu bekommen, wenn sie es nicht darauf anlegen, ihre Geschichte ironisch zu brechen? Tarantinoverseucht  ist Pulp immer dann hip, wenn mit Versatzstücken des Genres gespielt wird.

In „Nachdenken über Pulp“ entdeckt Thomas Wörtche keine Konsistenz, nichts, das sich zu einer festen Theorie schnüren ließe. Letztlich ist Pulp ein Vergnügen. Sonja Hartl untersucht in „Ein Fuck macht noch keinen Pulp“ die Wirkung von Tarantinos „Pulp Fiction“ und kommt zu dem Schluss, dass jeder dazu eine eigene Meinung hat. Carsten Germis widmet sich dem Festa Verlag in Leipzig. „In der Nische des Extremen“ nennt er seinen Beitrag über Pulp in Deutschland, bei dem Angesichts von so viel Altbewährtem vor allem die spätkapitalistischen Zeiten ironisch durchschimmern. Die Story stammt diesmal von Zoë Beck:  „Ein zufriedener Mann“. Gibt’s den überhaupt? Ein Mann und die Liebe und das Glück. Daraus kann nur Pulp werden, oder?

Und so ist der Pulp unserer Zeit Imitation. Wir wissen, woher er stammt, und ziehen ihn durch Zeiten, in der alles Bedeutung hat, solange wir sie nur lange genug herausschreien. Nichts als schmutzige Perlen, wie Sonja Hartl über „Cold in July“ schreibt. Darunter machen wir es nicht.

 

Viel Spaß beim Lesen

Ihre

Polar Gazette