Liebe Leserinnen und Leser,

da ist sie wieder, die Frage aller Fragen: Können deutsche Autoren Krimis schreiben? Ein schallendes Gelächter schlägt einem sogleich  von den Autorenvereinigungen entgegen. Namen prasseln auf den Spötter ein und nicht selten wird auf die Bestsellerlisten verwiesen, auf denen deutsche Autoren fest verankert sind. Ist dies nun Schrebergartendenken oder hat sich der deutsche Krimi international bewährt? Was wiederum an Verkaufszahlen festgemacht wird, statt an Form und Inhalt. Lassen sich in Frankreich, Großbritannien, den USA oder sonst wo auf der Welt mit der anschwellenden Krimiwelle aus Deutschland Gewinne machen? Um einmal in der Marketingsprache manchen Verlags zu bleiben, wo ein guter Krimi nur dann ein guter Krimi ist, wenn er über seinen Vorschuss hinaus, abzüglich aller Marketingkampagnen und Herstellungskosten, schwarze Zahlen schreibt. Und wie sieht die Krimitradition in diesem Land aus? Gibt es eine? Oder ist Deutschland neben der Geburt des Technos allein für den Regiokrimi berüchtigt?

    Thomas Wörtches Kolumne „Ach, Deutschkrimi, ach“ findet in der Masse der Leser mitunter den Pegida-Fan, jenen Menschen, der, sobald die Sprache auf den deutschen Krimi kommt, zur emotionalen Aufladung neigt. „Am Anfang weht der Geist der 68er“ schreibt Carsten Germis in seiner Hommage auf Irene Rodrian und spürt dem Soziokrimi des letzten Jahrhunderts nach.  Sonja Hart zieht in „Schattenseiten der Wirklichkeit“ bei Ulf Miehe und Frank Göhre die Parallelen zu Chandler, Hammett, Manchette und Malet. Während Jörg Walendy in „Zaunkönige“ sich die Frage stellt, was passiert, wenn Autoren sich wie Bottini oder Schätzing kriminalistisch der Politik nähern. Nicole Korzonnek würdigt das stille Werk Friedrich Anis in „Ani und die markerschütternde Seelenpoetik“. Während Lena Blaudez mit dem Gedanken des Reigens in ihrer Story „Salam Salami!“ spielt. Was macht eine Mordwaffe aus und wie absurd wandert sie von Hand zu Hand?

    In den letzten zehn Jahren wird niemand ernsthaft behaupten können, dass der deutsche Krimi nicht floriert. Egal ob als Kriminalroman oder als Thriller, ob er in Krisengebieten angesiedelt oder sich der Anforderung stellt, mit dem internationalen Serienmörder  gleichzuziehen. Sind wir zu deutsch? Bedeutet „Written in Germany“ nichts im Ausland? Egal wie sehr sich unsere Autoren auch anstrengen.

 

Viel Spaß beim Lesen

Ihre

Polar Gazette