Die Familie – Hort der Macht und Sicherheit

von Sonja Hartl

Schon beim Namen Corleone erklingen sofort Trompetenklänge im Hinterkopf, entstehen Bilder von Marlon Brando und Al Pacino, die im feinen Anzug im Halbschatten sitzen. Mario Puzos Buch „Der Pate“ hat die Mafia popularisiert – und was das Buch nicht geschafft hat, wurde von der dreiteiligen Verfilmung von Francis Ford Coppola erreicht. „Der Pate“ ist der Vater aller Mafia-Romane und -Filme, Marlon Brando und Al Pacino schufen die populären Urbilder des Mafioso – und gemeinsam haben sie dem Mythos der „la famiglia“ zum Durchbruch verholfen.

Bis ins Jahr 1969 waren italienischstämmige Gangster in der Literatur und im Film meist Schurken, Figuren ohne Hintergründe, eindeutig böse. Dann erschien ein Roman, in dessen Mittelpunkt eine italienische Familie steht und der sich noch vor der Verfilmung über 21 Millionen Mal verkaufte. In Mario Puzos „Der Pate“ wird von Verbrechern erzählt, die Familie haben, Väter, Söhne, Brüder und Ehemänner sind, die vor dem Mord gemeinsam Spaghetti essen und Cannoli besorgen – und deren unverbrüchlicher Zusammenhalt die Grundlage ihres Einflusses ist.

Die „famiglia“ als Basis der Macht

„Der Pate“ setzt im Jahr 1946 ein und verfolgt die Geschichte der Familie Corleone über mehrere Jahrzehnte. Im Mittelpunkt steht anfangs Don Vito Corleone, Oberhaupt und „padrino“ der Familie. Schon in den ersten Absätzen wird deutlich, dass er der Mann ist, an den man sich als italienischer Einwanderer wenden muss, wenn man Gerechtigkeit, Einfluss oder Erfolg haben will. Vito Corleone ist ebenso großzügig wie rücksichtslos, für seine Hilfe fordert er Freundschaft und zu gegebener Zeit einen Gegengefallen. Aber er wird langsam alt und seine Nachfolge ist ungeklärt: Der älteste Sohn Sonny ist aufbrausend und promiskuitiv, Fredo ist schwach und unbeständig, sein Ziehsohn Tom von irisch-deutscher Abstammung. Das größte Potential hätte Michael, das jüngste der Corleone-Kinder. Doch Michael schlägt anfangs seinen eigenen Weg ein – er meldet sich freiwillig zur Armee, kämpft im Zweiten Weltkrieg, studiert anschließend in Dartmouth und verlobt sich mit einer Pastorentochter aus Neuengland. Erst als seine Familie angegriffen wird, erkennt Michael seinen sizilianischen Stolz und besinnt sich auf die Familienwerte Rache und Treue. Aus dem Soldaten, der die USA verteidigte, wird ein Mann, der seine Familie beschützen will. Denn die eigene Familie ist wichtiger als das Land, sie steht über allem.

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