Liebe Leserinnen und Leser,

die Liebe. Ein Thema für die Polar Gazette? Nicht eher für das Goldene Blatt? Wer da an die Schwemme mörderischer Eifersucht denkt, die sich im Genre austobt, wird ein Auge zudrücken und zugeben, dass es durchaus vorkommen kann, dass jemand wegen eines einzigen Gefühls durchdreht. Bei der Analyse eines so verkaufsträchtigen Marktes wie des Psychothrillers werden wir leicht zu der Meinung kommen, alles Mörderische beruht auf nachgetragener Liebe, auf dem Verlust, auf der Abwesenheit, der Kränkung. Ist es so einfach? Dürfen wir alles nur darauf schieben, dass wir nicht genug geliebt worden sind? Damit vor Gericht der Gutachter uns als eigentliches Opfer darstellen kann?

„Das Elend mit der Liebe“ nennt Thomas Wörtche im Oktober seine Kolumne, in der es vom final girl des lonsome Cowboys mancher Superheldenreihe bis hin zum final couple geht. Eine Spur Noir, eine Spur homemade und natürlich spielen die Umstände eine Rolle. Sonja Hartl folgt in „Das Leid der Liebenden“ Cornell Woolrich und seinem Klassiker „Der dunkle Pfad“ und Doc McCoy an der Seite von Carol in Jim Thompsons „Getaway“. Die Liebe als romantische Aussichtslosigkeit? Die Liebe: Rettungsanker, Treibstoff – Anstifter?, fragt sich Sebastian Kern in „Die weiche Stelle“. Ist es nicht auch im Krimi so: „Am schönsten ist es jedoch, wenn es um die echte, wahre, reine Liebe geht.“ Jörg Walendy geht da eher seinen eigenen Spuren nach; wie steht es um die Liebe zwischen seinen Figuren in seinem Roman „Tag der Unabhängigkeit“? Geregelte Arbeitszeiten, stellt Michaela Hövermann in „Zerreißproben für die Liebe“ fest, gibt es nicht, so dass oft genug im Privatleben das Wertvollste, was zwei Menschen verbinden kann, auf der Strecke bleibt: die Liebe. Und doch kann es so unterschiedlich sein wie in den Romanen bei Mo Hayder und Denis Lehane. Carsten Germis führt uns in die Welt des japanischen Schriftstellers Keigo Higashino in „Geliebtenmörder, japanisch“ ein. Die Story in der Gazette stammt diesmal von Mathias Wittekindt und erzählt von einer folgenreichen Zugfahrt. „Zwei Träumer“ spielt, als die Beatles gerade "A Hard Day's Night" herausbringen.

Am Ende ist die Liebe an allem schuld. Würden wir uns nicht verlieben, würden wir auch nicht morden. Doch leider morden gerade jene, die nicht lieben können. Womit wieder einmal bewiesen ist: Egal aus welcher Richtung wir uns dem Verbrechen nähern, es gibt alles unter der Sonne. Und sei es Ripley bei Patricia Highsmith, der zum Mörder wird, weil er sich in das Leben eines anderen verliebt hat.

Viel Spaß beim Lesen
Ihre
Polar Gazette