Goodis Schattenmenschen tragen schwer an ihrer Vergangenheit. Sie opfern ihre Stimmbänder für den Starrsinn, dass sie nicht von einer Liebe lassen wollen. Sie finden heraus, dass die geliebte Ehefrau mit dem Impresario ins Bett stieg, um dem Ehemann ein Comeback als Konzertpianist  zu ermöglichen. Sie müssen wie William Kerrigan in The Moon in the Gutter erfahren , dass das Wüten und die Unterstellungen gegen den eigenen Bruder, die Schwester vergewaltigt und in den Selbstmord getrieben zu haben, nicht stimmt, so dass jegliches Rebellentum in ihm zusammenbricht. Nicht nur Kerrigan wird nicht mehr die Kraft aufbringen, die soziale Leiter nach oben zu klettern. Keiner von Goodis Figuren sagt sich vom Leben los. Wobei den Frauen das härtere Schicksal vorbehalten ist. Sie sterben wie die Fliegen in einer Welt, in der die Männer zum Weiterleben verdammt sind.

Das verrottete Bild der Trinker, der Verlorenen, wird heraufbeschworen. Das hat William Kennedy in Wolfsmilch ebenso brillant beschrieben wie Cormac McCarthy in Verlorene. Endstation Barhocker. Ein letztes Zucken unter bunten Glühbirnen. Eine letzte Nacht in einer Absteige. Es braucht wenig, um einen Menschen aus der Bahn zu werfen, aber viel, um ihn wieder zurückzubringen. Das Motto lautet: Wenn du schon keine Luft mehr bekommst, dann atme ich einfach weiter. Irgendwann wirst du schon ersticken.

Der Mörder aus dem Hinterhof kehrt an sein Klavier zurück. Der Seemann kann dem Vernon Mond nicht entkommen. Der vermeintliche Held beendet die Rassenunruhen und kehrt in die Seitenstraße zurück. Sie alle besitzen noch etwas wie einen Hauch von Moral. Für sich selbst nehmen sie die jedoch nicht mehr in Anspruch. Es gibt keine Gerechtigkeit, was soll’s? Warum sich weiter dafür abrackern, sich grämen? Das Leben lässt sich wunderbar betäuben.

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