Krimi & Musik

von Markus Naegele

Aha, Krimi & Musik also, na, das wird ein schwieriges Unterfangen. Lass ich die Uhr rückwärts laufen, dann lande ich irgendwann bei den Fünf Freunden von Enid Blyton, kein Scheiß, das ist wohl meine erste Krimierfahrung, muss so Anfang, Mitte der 70er gewesen sein, die Bücher im Schneider Verlag, dann die Hörbücher im Europa Verlag und samstagmittags die TV-Serie im ZDF. Immer und immer wieder. Spannung pur. Und nicht zu vergessen, der legendäre Titelsong: "Fünf Freunde, das sind wir: / Julian, Dick und Anne, / George und Ti-hi-mmy, der Hu-hu-hund. / Fünf Freunde, das sind wir. / Wir kommen schnell herbei, / wann immer ihr es wo-ho-hollt – / und schon sind wir da-ha-ha-ha.“ Gut 35 Jahre später verschlingt meine 13-jährige Tochter das ganze Paket mit der gleichen Hartnäckigkeit wie ich damals. Diese Obsession teilen wir uns übrigens auch mit den unsterblichen Nick-Knatterton-Bänden, die sie sonntags unermüdlich mit größter Begeisterung durchblättert und dabei stets neue Details entdeckt.

Fragt man nach der Symbiose von Crime und Musik, so gibt es ja diverse unterschiedliche Ansätze, die vermutlich bereits in zahlreichen wissenschaftlichen Abhandlungen erforscht wurden. Und ich werde einen Teufel tun, hier auch nur den Anschein zu erwecken, mich daran abarbeiten zu wollen. Genauso, wie es unzählige Subgenres im Kriminalroman gibt, so hat jeder Autor seine eigene Sozialisation und seinen eigenen kulturellen Background. Und natürlich hat die Musik der Zeit immer auch eine Rolle in den literarischen Werken der Autoren gespielt. Bei Dashiell Hammett oder Raymond Chandler war das eben die rauchgeschwängerte  Orchester- und Jazzmusik der Ära, dazu die schummrigen Bars, die Trenchcoats. Mit dem Ende des Stummfilms 1927 (der erste Spielfilm mit Ton war übrigens The Jazz Singer) und dem Siegeszug von Hollywood wurde Jazzmusik zum charakteristischen Markenzeichen der Hardboiled- und Noir-Filme der 40er- und 50er-Jahre. Seither findet sich jede Spielart populärer Musik in der Krimiliteratur wieder. Sei es der frühe Rock'n'Roll, seien es die Swinging Sixties, Soul, Glam Rock, Punk, HipHop, es gibt nichts, was nicht auch in einem Krimi vorkommen dürfte, sei es als vorangestelltes Motto, sei es in den Büchern die Hintergrundmusik im Autoradio, als Inspirationsquelle.

Stephen King ist als großer Rock'n'Roll-Kenner bekannt, der sich gerne als Elvis- und AC/DC-Fan zu erkennen gibt (siehe seine Top 26 Rocksongs aus einer Entertainment-Weekly-Kolumne aus dem Jahr 2007:
http://www.ew.com/ew/gallery/1,,20039107,00.html#20055068) und »Anarchy in the UK« von den Sex Pistols auf Platz 1 seiner Bestenliste setzte. Dazu schrieb er: "This song still sums up what I love about rock & roll: anger and joy and urgency, all compressed into three and a half minutes of drums and buzz-saw guitar. By God, even the name of the group sweats rock & roll.« Er selbst spielt mit Autorenkollegen wie u.a. Amy Tan, Scott Turow, Ridley Pearson, Greg Iles in der Allstar-Band Rock Bottom Remainders
(http://youtu.be/4wCX4i2kp04).

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