Flatrate

von Karr & Wehner

»All in!«
    Cyril schiebt die Scheine in die Mitte und legt das Handy obendrauf. Er fixiert den Libanesen. Der hat sich bisher zurückgehalten. Cyril glaubt, dass er blufft.
    »Okay!«, sagt der Libanese. Sein Ölaugenblick ist undurchschaubar. Der Rauch steht unter der Decke, die Bartusse bringt frische Drinks. Über der Theke hängen zwei fette Flachbildschirme. Auf einem jagt die Voyager durch den Weltraum, auf dem anderen boxen zwei Mittelgewichtler.
    Der Libanese bringt seinen Einsatz zum Sehen. Die drei Bündel, die vor ihm liegen. »Das reicht nicht!«, sagt Cyril. Jetzt hat er ihn soweit.
    Der Libanese hebt die Augenbraue. Cyril sieht ihn an. Ahmed Abu-Khan. Seine Combo verkauft an der Helenenstraße. Von Haltestelle Kronenberg bis hinter die Kirche. In Richtung City haben sich die Ghanaer breitgemacht, mit denen Cyril den Deal am Laufen hat. Wenn er den Ölaugen einen Verkaufsplatz abzocken kann, ist er mit 10 Prozent dabei. Der Libanese nimmt das Handy und guckt es sich an.
    »PIN steht hinten drauf!« Cyril fixiert das Ölauge. Der Libanese legt das Handy zurück.
    »Der Platz am Kronenberg!«, sagt Cyril. »Leg ihn drauf.«
    »Okay!«, sagt der Libanese, und er sagt es so schnell, dass Cyril begreift, dass das Ölauge ihn gerade gefickt hat.
    Sie decken auf und Cyril sieht die Kohle und das Handy in der Jackentasche des Libanesen verschwinden. Das Ölauge gibt dem Türken und dem Ukrainer am Tisch die Ghettofaust und grinst Cyril an. »War mir eine Freude, Bruder!«
    Später, gegen halb vier, im Hof des Dollar-Clubs an der Böcklerstraße, als Cyril ihm das Messer in die Rippen schiebt, grinst er nicht mehr. Cyril hat lange zwischen den Müllcontainern gewartet, geraucht und den Ratten zugesehen, bis das Ölauge seinen Sieg drinnen genug gefeiert hat.
    Cyril wischt das Messer ab, zieht Ahmed das Geld aus der Jacke, und ehe er ihn in den Müllcontainer hievt, nimmt er ihm das Handy wieder ab.

Sie wird zum Arzt müssen, das brennt wie eine Blasenentzündung. Sie steht an der Pferdebahn hinter den Wohnwagen, das Abendgeschäft brummt. Die Kerle rollen in ihren Familienkutschen vorbei und wollen noch schnell einen wegstecken, ehe sie zu Mutti fahren.
    Es ist fast dunkel. Manchmal blinkt so ein Kerl mit der Lichthupe, wenn er meint, dass die Ware zum Kunden kommen soll.
    Der silberne Audi A6 kommt ihr bekannt vor. Sie macht ein Bild mit dem Handy, das Cyril ihr gegeben hat. Sie machen die Bilder gegenseitig, zur Sicherheit. Wer mit wem wegfährt. Sie soll vorsichtig sein, hat auch Cyril gesagt. Da passiert in letzter Zeit zu viel an der Pferdebahn. Trotz Überwachung und Verrichtungsboxen.
    Der Bridget, also der Birgitta, hat einer das Gesicht zerkratzt, das war vor drei Tagen. Audi A6, hat sie hinterher gesagt, als sie aus dem Krankenhaus wiedergekommen ist, die ganze Visage verpflastert.
    Ein SUV, langsam, Lichthupe. No Sir! Sie kennt den Kerl. Worauf der steht, so was hat sie echt noch nicht erlebt.
    Nochmal Lichthupe.
    Sie macht ein Foto, zeigt den Stinkefinger und dreht sich weg.
    SMS auf dem Handy. Cyril schreibt, dass er nachher im Dollar ist. Das heißt, er wartet auf ihre Kohle.
    Sie hat bis jetzt dreihundert, da fehlen mindestens hundert, sonst dreht er wieder durch.
    »He?«
    Ist das derselbe A6 oder ein anderer? »Komm mal her!«
    Sie kommt nicht dazu, das Nummernschild zu kontrollieren, und steigt ein.
    Der Kerl riecht nach Sandelholz und will rausfahren, beim Schloss Wittringen kennt er angeblich einen Platz. Weil er gut bezahlt, sagt sie ja.
    Und erst als sie auf dem Parkplatz stehen und sie sich runterbeugt, um seine Hose aufzumachen, und sie die scharfe Klinge in Nacken spürt, wird ihr klar, dass etwas schrecklich schiefgelaufen ist.

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