Wir gegen die

von Wolfgang Franßen

Ist die Welt noch zu retten? Ist sie nicht. War sie nie. Wird sie nie sein. Weil es außer den Menschen kein Schwein interessiert. Die Welt kann doch eigentlich froh sein, wenn keiner mehr auf der Welt ist, der sich diese Frage stellt. Angesichts von Truppenbewegungen an der ukrainisch-russischen Grenze, von außen und innen manipulierter Stimmungsmache, die zu Übergriffen führen, mag sich der ein oder andere in Europa daran erinnert fühlen, wie das war … damals, als sich die ersten Vorboten eines Krieges zeigten. Es reichte ein Schuss auf einen Thronfolger, um die im Stillen agierenden Kriegslüsternen mit den Massen der zu begeisternden Nationalisten zu vereinen. Um ein Rad in Bewegung zu setzen, das sich nicht aufhalten ließ, weil es von vielen Seiten befeuert wurde. Es reichten Massenarbeitslosigkeit und Massenhysterie, um sich einem Verrückten zu versklaven und das Dritte Reich auszurufen. Seitdem ist es in Europa stiller geworden, Erbfeindschaften wurden mit gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen befriedet. Außengrenzen zu Schutzwällen aufgeworfen, um nur reinzulassen, was wirtschaftlichen Mehrwert verspricht. Die Kerneuropäer schauen sich zwischendurch irritiert um, wie die Neu-Europäer ein recht freies Verhältnis zu Demokratie und Menschenrechten pflegen, weil sie sich allzu gerne ihren ethnischen Unterschieden widmen. Sind wir nicht längst dem Mittelalter entsprungen? Haben wir nicht die Aufklärung durchlaufen? Der Untergang der Menschheit passt doch nicht mehr in die Zeit, mag da mancher denken. Wenn das Wetter statt der unausweichlichen Dürre eine Sturmflut bringt. Wenn Sommer im April und Winter im Oktober ist. Nur die Versicherer denken schweißgebadet darüber nach, wie sie angesichts der Naturkatastrophen in der Welt diese Welt bloß gegen sich selbst versichern sollen.
    Wenn sich Autoren auf das große Feld der Weltdeutung bewegen, steckt nicht selten Kalkül dahinter. Natürlich lässt sich in der Politik mit breitem Pinselstrich Gut von Böse unterscheiden, weil böse all das ist, was den Leser selbst und seine Überzeugungen in Gefahr bringt. Egal ob wir in Debt Honor von Tom Clancy miterleben dürfen, wie einmal mehr ein Angriff auf die amerikanische Wirtschaft abgeschmettert wird, oder in Red Rabbit der Rote Stern der Sowjetunion noch einmal gehisst werden darf, die Ausrichtung ist klar: USA gegen den Rest der Welt. Ein bisschen Dominanz muss schon sein bei der finalen Rettungsaktion.

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