Die Agenten im Zentrum sind kulturelle Chamäleons, die von einer Identität in die andere schlüpfen, zwischen den Welten stehen und nicht nur zwischen die Fronten politischer Verwirrspiele, sondern auch in Gewissenskonflikte geraten und zu persönlichen Entscheidungen gezwungen werden. Wer wen benutzt, wer wirklich die Fäden zieht und die Macht hat, enthüllt sich in bester Krimimanier natürlich erst zuletzt.
    Einblicke ins arabische Alltagsleben und die Religion wecken Verständnis für Kultur, Land und Leute und machen deutlich, dass die Dinge immer komplizierter sind, als sie anfänglich scheinen, und keine einfachen Schwarz-Weiß-Schemata erlauben.

Schlachtfeld Europa

„Du hast nicht das Recht, das Kämpfen anderen zu überlassen!“

In „Gotteskrieger“ wird der israelische Top-Agent Gabriel Allon nach Amsterdam geschickt, um nach dem Tod eines jüdischen Soziologieprofessors und Terrorismusforschers sämtliche Spuren zum Mossad aus dessen Unterlagen zu entfernen. Allerdings fungierte der Tote nicht nur als heimlicher Informant für den israelischen Geheimdienst: Spezialgebiet des Professors war die Auseinandersetzung mit der Bedrohung des Westens durch islamistische Extremisten. Sein jüngster Versuch, die Niederländer für die Angriffe islamischer Dschihadisten zu sensibilisieren, führte zu Kontroversen und Kritik von allen Seiten und ließ ihn zur Zielscheibe fundamentalistischer Imame werden. Seine öffentliche Hinrichtung kommt also nicht wirklich überraschend.
    Man könne in der heutigen Zeit – so der deutsch-ägyptische Schriftsteller Hamed Abdel Samad, der aufgrund seiner Publikationen und Vortragstätigkeit in der Realität zum Hassobjekt der radikalen Islamisten geworden und dessen Leben mit einer Fatwa bedroht ist – zu jedem beliebigen Thema ein Buch veröffentlichen, ohne um sein Leben fürchten zu müssen. Ausnahme: Es kritisiert den Islam. Das ruft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit radikale, dem Fatwa-Wahn verfallene Fundamentalisten auf den Plan. 
    Die Vertuschung der Geheimdiensttätigkeit des Professors klingt für Top-Spion Allon zunächst verdächtig nach Routinejob. Allerdings kommt er einem neuen islamistischen Terrornetzwerk namens "Sword of Allah“ auf die Spur. Er eilt in die britische Metropole, doch weder Allon noch der britische Inlandsgeheimdienst MI5 können die Entführung der Tochter des amerikanischen Botschafters aus dem Hyde Park verhindern. Ihre Begleiter und einer der Entführer werden erschossen. Allon, inzwischen in Agentenkreisen zur Legende avanciert, übernimmt das Ruder. Das Terrornetzwerk zieht sich durch West- und Mitteleuropa, und bei dem Versuch, die entführte Frau zu retten, gerät er selbst in Lebensgefahr …
    Nur vordergründig verfolgt „Sword of Allah“ in diesem realistisch anmutenden Polit-Thriller das Ziel, einen seit 1998 inhaftierten Islamisten freizupressen; in Wirklichkeit geht es um sehr viel mehr: einen islamistischen Umsturz in Ägypten.

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