Zu Hülfe, zu Hülfe …

von Thomas Wörtche

Leider weiß ich nicht mehr genau, in welchem der schön bunten, lustigen Hau-Drauf-Romane von Jon Land mit seinem Superduperhelden Blaine McCracken  – vielleicht „The Alpha Deception“? – das Schicksal der Welt sich zum Bösen wenden würde, wenn McCracken nicht den Superduperschurken erlegte – und das könnte er nicht, wenn nicht genau zum richtigen Zeitpunkt zufällig das richtige Instrument zur Hand gewesen wäre. In diesem Falle ein Knusper-Riegel.
    Das habe ich mir deswegen über die Jahrzehnte – der Roman ist von 1987/88/89, in der Gegend –  gemerkt, weil es wunderbar direkt auf den Punkt kommt. Die Welt zu retten ist als Roman-Plot so schwachsinnig, dass eine Süßware das perfekte Werkzeug dafür ist. An solchen Stellen ist Literatur sozusagen ganz bei sich selbst: Fiction pour la fiction, ohne störende realistische Dazwischenfunkereien.
    Ein Ironiker und fröhlicher Autor ludens mit hohem Autoreflexionsfaktor wie Jon Land hat seinen Spaß daran, die Konstellation auf die Spitze zu treiben  – die Fallhöhe von Welt zu Riegel ist beinahe unschlagbar. Und macht diese Sorte Roman auch einigermaßen genießbar, eine Art Lese-Spaß für die ganze Familie.
    Und damit wir das später nicht vergessen: Weltrettungs-Filme gehören in die gleiche Kategorie und treten meistens als Genre-Mix auf. Das gilt auch für solche, in denen die Welt ganz furchtbar gerackelt wird, bis sie sich dann doch letztendlich nicht ganz im Universum auflöst … also die ganzen drolligen Knaller wie Emmerichs „2012“ oder „Armageddon“ oder, oder, Sie wissen, was ich meine …
    Der Charme der früheren James-Bond-Filme wie „Moonraker“ und Co. liegt genau darin: Wahnsinnige, Irre und Durchgeknallte wollten die Weltherrschaft oder den großen Knall und James Bond musste sie daran hindern. Und offensichtlich ist ihm das auch immer gelungen, denn die Welt steht ja noch, wenn wir ins Kino gehen und gucken, warum das so ist. Deswegen fand ich immer, dass Roger Moore der perfekte Bond war – kein Mensch kam auf die Idee, da irgendetwas ernst zu nehmen. Eine Haltung, die durchaus auch für alle anderen Bond-Filme gilt, aber die tun gerne so, als ob irgendetwas von tieferem Sinn oder interpretationsfähiger Bedeutung verhandelt würde. Das ist genauso lächerlich und prätentiös, wie Ian Fleming für einen wichtigen, gar stilistisch bemerkenswerten Autor zu halten. Die aktuellen Neuausgaben der James-Bond-Romane zeigen, dass er das eben nicht ist –  politisch-intellektuelle Regression gepaart mit schlichter Prosa und ein paar Knalleffekten ist für Belletristik einfach ein gutes Rezept. Und Weltrettung ein gutes Thema.
    Aber natürlich, wobei wir immer noch bei James Bond wären, tut es das Abendland auch. Oder „die westliche (Werte-)Welt“. Das erledigten gegen den Kommunismus Mickey Spillane und andere kalte Krieger – und darüber lustig machten sich die Jungs und Mädels mit der besseren Prosa: Robert Littell, Brian Freemantle oder Ross Thomas, die allesamt wie auch Eric Ambler, Jenny Siler, Olen Steinhauer, Charles Dunning und die ganze Crème ernstzunehmender Polit-Thriller-Autoren niemals einen Welt-/Zivilisations-/Westen-/Werte-Rettungsroman geschrieben haben.

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