Liebe Leserinnen und Leser,

ein Verlag gibt ein Krimi-Journal heraus. Das ist schon merkwürdig genug. Sollte er sich nicht besser darauf beschränken, Bücher und Vorschauen drucken zu lassen und seine Autoren über Anzeigen bekanntzumachen? Wir haben uns gedacht, bevor wir betriebsblind werden, schaffen wir uns einmal im Monat eine Plattform, die nach vorne wie zurück als auch auf das Jetzt schaut. Die Polar Gazette will keine Werbeplattform, keine Rezensionsseite sein. Es ist wichtig, sich selbst als Verlag zu hinterfragen, Diskussionen anzuwerfen und sich ihnen zu stellen, um nicht in einem Elfenbeinturm zu versinken. Einmal im Monat werden wir versuchen, Tendenzen aufzuspüren, den Blickwinkel neu einzustellen. Mit Kerstin Petermann haben wir eine Fotografin für uns gewonnen, die das Erscheinungsbild jeden Monat neu gestalten wird.

In unserer ersten Ausgabe geht Thomas Wörtche in seiner Leitkolumne dem Thema Muss ein Krimi immer gut enden, muss er nicht… nach. Carsten Germis stellt den bei uns noch zu entdeckenden japanischen Autor Fuminori Nakamura vor. Romy Fölck geht in ihrem Beitrag der Frage nach, warum Maigret, Wallander und Blomkvist unbedingt jeden Fall lösen müssen. Michaela Hövermann erinnert an Djemila von Jean-Francois Vilar. Außerdem fragen wir uns, was das Thema Selbstjustiz beim Leser auslöst und werfen einen Blick in die düstere Romanwelt eines David Goodis. Und wo so viel über das Genre nachgedacht wird, soll es auch zu Wort kommen. Mit Friedrich Anis Geschichte damenwahl-letal starten wir unsere Reihe mit Crime Storys.

Seien wir ehrlich, wir können nicht gut schlafen, wenn der Mörder nicht gefasst ist, der alkoholkranke Kommissar sich nicht intellektuell überlegen gezeigt hat, dem Perversen nicht ein entscheidender Fehler unterläuft oder die alleinerziehende Privatdetektivin nicht nur einen Kindergartenplatz ergattert, sondern auch ihre brillante Überlegenheit unter Beweis stellt. Das Genre, egal ob humordurchtränkt oder augenzwinkernd hard boiled, ist am Ende auf eine Lösung aus. Alle Massenverhaftungen in Kalabrien, jeder Einsatz der DEA im Drogendschungel, gebiert nur neue Führer, Kartelle, Oberhaupte, aber für einen Moment müssen wir Leser daran glauben, dass der Hydra wenigstens im Krimi ein Kopf abgeschlagen wird. Nirgendwo kann man schließlich so gut mit dem eigenen Schrecken alleine sein und glauben, dass die Gerechtigkeit siegt.

Muss ein Krimi immer gut enden, besser nicht …

Viel Spaß beim Lesen

Ihre

Polar Gazette