Es ist die Ironie des Schicksals, dass er nach diesem tatsächlich begangenen Verbrechen wegen guter Führung nach „nur“ sechs statt zehn Jahren Haft auf Bewährung entlassen wird.
    Seine ersten Schritte im „Draußen“ ähneln der Erforschung eines fremden Planeten. Alles hat sich verändert. Seine geliebte Ehefrau Hazel hat ein Verhältnis mit ihrem Anwalt, sein Sohn Timmie verhält sich distanziert wie ein Fremder und an einen beruflichen Wiedereinstieg ist vorerst nicht zu denken. Wie soll er, der Ex-Häftling, jemals wieder auf die Füße kommen?
    In Carter keimt zudem die Eifersucht. Gefängnisalltag, Morphiumsucht, vor allem das Bewusstsein über das erlittene Unrecht und sein gestohlenes Leben verwandeln den einst gutmütigen, etwas naiven Familienmenschen in einen Killer mit niedriger Hemmschwelle. Seine moralischen Maßstäbe haben sich für immer verschoben. Gerechtigkeit wird er selbst herstellen, den Rivalen und Nebenbuhler töten, sich seine Frau und seinen Sohn zurückholen – und er wird ungeschoren davonkommen …

Hinter Glas

Die Affen von Cannstatt richtet den Blick auf die JVA Schwäbisch Gmünd und damit auf den Alltag in einem deutschen Frauengefängnis im 21. Jahrhundert: Camilla Feh ist eine eher unauffällige junge Frau: Sie studiert im vierten Semester Soziologie an der Universität von Tübingen und befasst sich im Rahmen einer Seminararbeit mit den „Friedensstrukturen des Matriarchats bei den Bonobos“. Dazu führt sie in der Stuttgarter „Wilhelma“ Verhaltensbeobachtungen durch und studiert die Primaten aus nächster Nähe.
    Die Grenze zwischen Mensch und Tier scheint ihr zunehmend fließend, vor allem, als sie eine erschreckende und vollkommen unerwartete Beobachtung macht: Ein Affenweibchen versucht, das Junge einer anderen in einem von der Mutter unbeobachteten Moment zu ertränken. Das stellt die bis dahin geltenden Sichtweisen über die Bonobos, die den Menschen mehr ähneln als jede andere Affenart, in Frage.
    Von versuchtem Infantizid allerdings will Camillas Professor nichts hören und stellt ihre Beobachtung und anschließende Interpretation in Frage. Infolgedessen beginnt sie, an sich zu zweifeln. Der Schatten ihrer leiblichen Mutter, die angeblich vier ihrer Geschwister getötet und nur sie selbst am Leben gelassen haben soll, ist lang … Hat sie womöglich doch biografisch motiviert etwas in die Situation hineininterpretiert, das nicht vorhanden war?
    Aus Verunsicherung heraus entscheidet sie sich zu einem radikalen Schnitt: Sie kehrt der Uni den Rücken und setzt zeitgleich einen Schlussstrich unter die Beziehung mit ihrem Freund Till, einem politisch aktiven Veganer, Tierrechtler und Feministen, dessen Ansprüchen sie sich nicht gewachsen fühlt. Sie will nicht kämpfen.

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