Kommissar Maigret, Kurt Wallander, Mikael Blomkvist – Gerechtigkeit um jeden Preis

von Romy Fölck

Ist es nicht vornehmlich das, was wir uns von guter Kriminalliteratur wünschen? Dass, so ausgeklügelt, durchtrieben und gar grausam das erdachte Verbrechen ist, am Ende das Gute siegt, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird? Heute wie damals scheuen Maigret, Wallander, Blomkvist & Co. keine Mühe, keinen Abgrund und gehen sogar bis hin zur Rechtsbeugung, bis zur eigenen privaten Kapitulation, nur um den Fall für uns Leser zu einem redlichen Abschluss zu bringen. Denn, ganz unter uns: Wollen wir ein offenes Romanende? Mangelnde Gerechtigkeit? Natürlich nicht! Da können wir ja gleich die Zeitung lesen.

Was macht sie seit Jahrzehnten so besonders, diese bestverkauften Serienhelden? Warum setzen wir gern auf Fortsetzungen, auf Altbewährtes, wo doch so viele Neuerscheinungen mit anderen faszinierenden Protagonisten auf den Krimimarkt drängen? Gibt es ein Erfolgsrezept?

Georges Simenon veröffentlichte in den 1920er Jahren zahlreiche Kurzgeschichten und Groschenromane mit mäßigem Erfolg. Erst als Maigret mit Pfeife, Melone und psychologischem Einfühlungsvermögen Simenons schriftstellerische Bühne betrat, ein Kommissar, für den nicht das Dingfestmachen des Täters im Vordergrund stand, nicht das Urteilen über das Verbrechen, sondern das Verstehen der Tat, wurde der belgische Autor weltberühmt. Simenon wählte seine Täter im Milieu der kleinen Leute, ließ sie aus alltäglichen Krisen heraus Verbrechen begehen und machte Maigret nicht zu ihrem Gegenspieler, sondern stattete ihn mit Sympathie und Mitgefühl für jedermann aus – selbst für die Verbrecher. Der Detektiv von nebenan – ein Welterfolg mit 75 Romanen und zahlreichen Kurzgeschichten, in denen Maigret den Ton angab. Größen wie Rupert Davies, Jean Gabin und Sir Michael Gambon steckten sich für die Maigret-Verfilmungen die Pfeife in den Mund. Maigret: ein Meilenstein der Krimiliteratur. Auch wenn sein Privatleben über die Jahre eher im Hintergrund blieb, seine Laster sich in gutem Essen, Bier und Pfeife erschöpften, seine Frau dem Bild der altmodischen besseren Hälfte entsprach, die zu Hause mit dem Essen auf den Gatten wartete. Maigret wurde Kult.

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