Liebe Leserinnen und Leser,

die Theorie interessiert uns natürlich nicht, wenn wir einen Krimi lesen. Ist doch egal, ob eine Story ein Whodunit oder eine regionale Verwerfung ist, ein Fall aufgeklärt oder unaufgeklärt bleibt. Hauptsache, er ist spannend. Seine Figuren faszinieren uns. Dann sind wir in der Lage, einiges zu ertragen und folgen einem Autor egal wohin. Und doch gibt es immer wieder Versuche, die Tradition zu pflegen, Entwicklungen nachzuvollziehen, sich gegen die Hüter des literarischen Grals zur Wehr zu setzen und eine Theorie zu entwickeln: Warum der Krimi so ist, wie er ist und nicht mehr so sein will, wie er einmal war.
     Als Fan eines Autors folgen wir ihm durch seine Reihen mit Chief Inspector X oder Leichenbeschauerin Y, aber unser Hang zu Familienzugehörigkeit hat nichts damit zu tun, dem Krimi einen tieferen Sinn zu verleihen. Die neue Ausgabe der Polar Gazette stellt deswegen die Frage: Krimi und Theorie, geht das zusammen?
     Hab ich nun achheißt der Titel der März-Kolumne. Thomas Wörtche spielt mit Goethe als Versatz, den unendlichen Weiten des Krimis und den Versuchen, ihrer Herr zu werden. Er weiß auch, wie das Zitat weitergeht: … da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Die Welt des Whodunits klingt bei Jörg Walendy in Qui tue qui? eher wie ein paradiesischer Hort, in der der Verstand Triumphe feiert. Während Michaela Hövermann ihrem Essay Abgebrühte Privatdetektive, manipulative Femme Fatales und organisierte Gangsterbanden ein Zitat von Friedrich Dürrenmatt voranstellt. Jede Hilfe, sich der Welt des Krimis zu nähern, sie sich als ein Großes und Ganzes vorzustellen, ist willkommen. Robert Brack bringt in seinem Vortrag Kriminalroman und Politik, den er bei Krimi Machen 1 hielt, Stendhal ins Spiel. Schließlich geht es in a rose is a rose is rose um die Frage, warum wir Leser überhaupt eine Theorie brauchen. Gut, dass Norbert Horst mit seiner Story Bist du das? uns daran erinnert, worauf es ankommt. Auf einen Taschendiebstahl im Hauptbahnhof. Auf einen Autor, der zu erzählen weiß. Die Fotos von Kerstin Petermann widmen sich diesmal nur Hamburg.
     Und so mögen die Meinungen über den Krimi an sich oder für sich, wie Sartre unterschieden hätte, unterschiedlicher Natur sein. Letztlich zählt nur eins: Was auf dem Papier steht. In den Sätzen wie zwischen den Zeilen. Der Stallgeruch, aus dem die Theorie kriecht, ist oftmals vorhersehbar. Und das langweilt einen versierten Krimileser ohnehin. Wer will schon wissen, wie es ausgeht.

Liebe Grüße
Ihre
Polar Gazette