Wie ich zum Ersttäter wurde …

von Günter Butkus

Als ich vor über 30 Jahren den Pendragon Verlag gründete, waren eindeutig Prosa und Lyrik meine Themen. Als Autodidakt im Verlagswesen bin ich zunächst viel herumgereist, habe mit Autoren und Kollegen gesprochen.  Ich habe Werke von Günther Wallraff, Jean Cocteau und F.C. Delius verlegt. Und ich war immer auf der Suche nach neuen, interessanten Stoffen. Das hat sich übrigens bis heute nicht geändert.
     Krimis waren eigentlich schon recht früh meine Leidenschaft. Heute frage ich mich manchmal, warum ich nicht schon eher Kriminalliteratur verlegt habe. Vielleicht wollte ich Hobby und Beruf trennen. Der erste Krimi, den ich las, und der mir nachhaltig im Gedächtnis blieb, war „Der große Schlaf“ von Raymond Chandler. Auch Patricia Highsmith und James Lee Burke haben mich gefesselt und mir so manche schlaflose – weil durchlesene – Nacht beschert. Mein Interesse galt damals den englischsprachigen Krimis. Dann stieß ich auf Ernest Tidyman. Da hat es mich richtig gepackt. Mit der Figur des Shaft gab es erstmals einen ernstzunehmenden schwarzen Privatermittler.
     Shaft lernte ich in einer beruflichen Phase kennen, in der die Entwicklung des Verlags etwas ins Stocken gekommen war. Ich brauchte eine neue Motivation, einen neuen Kick, und den gab ich mir und dem Verlag, indem ich das Repertoire um Krimis erweiterte.
     „Shaft und das Drogenkartell“ war 2002 damit der erste Krimi, den ich verlegt habe. Die Shaft-Reihe umfasst insgesamt sieben Titel. Die ersten sechs waren schon mal auf Deutsch erschienen, aber mir war die Übersetzung etwas zu antiquiert. Emmanuel Bergmann hat die Krimis für Pendragon neu übersetzt und genau den richtigen Ton gefunden. Das war eine spannende Angelegenheit. Den siebten und letzten Band der Edition gab es damit erstmals in deutscher Sprache. Mit Emmanuel Bergmann arbeite ich auch heute noch gern zusammen.
     Parallel dazu habe ich mich nach guten deutschsprachigen Krimis umgesehen. Da wurde ich schnell fündig. Bereits in den 1980ern habe ich die Romane von D.B. Blettenberg und Frank Göhre mit Begeisterung gelesen. Für mich war klar: Diese beiden Schriftsteller hätte ich gern im Programm. Umso mehr hat es mich gefreut, dass dies tatsächlich geklappt hat. Im Jahr 2003 erschien „Berlin Fidschitown“ von D.B. Blettenberg, der für diesen großartigen Roman ein Jahr später den Deutschen Krimi Preis erhielt. Blettenberg, der durch seine Arbeit beim Deutschen Entwicklungsdienst auch schon in den entlegensten Teilen der Welt unterwegs war, versteht es auf grandiose  Weise, den Leser mitzunehmen – sei es nach Thailand, Nicaragua oder auch in den Untergrund Berlins. Unschlagbar sind seine ersten Sätze. Nicht weniger gefesselt haben mich Frank Göhres messerscharfe Betrachtungen, mit denen er das Milieu auf St. Pauli beschreibt. Prostitution, Drogen, Gewalt und Korruption. Daneben das Schicksal von kleinen und großen Kriminellen. Bewundert habe ich immer Göhres akribische Recherchearbeit, mit der er den Hamburger Filz seziert. Darum habe ich im Pendragon Verlag nach und nach alle Romane und Erzählungen, die zum Kiez-Epos gehören, neu herausgegeben. Zuletzt 2013 – zu Franks 70. Geburtstag – „Geile Meile“ als Abschluss seiner Werke zum Thema St. Pauli. Sehr gefreut habe ich mich natürlich, dass der neue Roman von Frank Göhre „Der Auserwählte“ 2006 bei Pendragon erschien und ebenfalls den Deutschen Krimi Preis erhielt.

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