Liebe Leserinnen und Leser,

nach einem anstrengenden Tag im Büro wollen wir uns einem vertrauten Cop, einem verschrobenen Private Eye an die Hand geben, damit er faszinierende Notlagen mit Bravour und messerscharfem Verstand meistert. Gib mir einen Mord zum Entspannen. Die Verfallszeit von Krimigeschichten ist umso höher, je mehr wir sie lesen.  Umso lieber erinnern wir uns an unsere erste Begegnung. An den perfiden Mord, den raffinierten Bluff, die Erleichterung, dass das Scheusal seiner gerechten Strafe zugeführt wurde. Verändert sich unser Blick mit den Jahren? Hat man nach 28 schwermütigen Ermittlern aus Schweden, der zehnten Mafiaausgabe und dem sozialschwangeren Blick in die deutschen Amtsstuben es nicht satt?
     Thomas Wörtche tritt in seiner Kolumne Am Anfang war da nichts … dem Voyeurismus entgegen. Niemand muss sich als Krimileser outen und seine Sucht eingestehen, als leide er an einem Makel. Mit Out von Natsuo Kirino eröffnete sich für Carsten Germis in Japans dunkle Seiten, zweischneidig vor zehn Jahren der Blick auf die japanische Realität. Während Michaela Hövermann eine weite Reise von Agatha Christie zum Politthriller in Schlaglichter – Ein Blick zurück hinter sich hat. Jörg Walendy erinnert daran, dass der Krimi nicht nur zwischen zwei Buchdeckeln zum Leser findet, manchmal sucht er auch den Umweg über die Bühne. Mit Wie ein Faustschlag ins Gesicht. Morte villana, die pietà nemica … eine Reise zu Bernard-Marie Koltès fulminantem Stück „Roberto Succo“. Und manchmal wie im Beitrag Wie ich zum Ersttäter wurde … von Günter Butkus, dem Verleger des Pendragon Verlags, landet man unweigerlich auf der Suche nach guten Stoffen beim Krimi. Frank Göhre ist in diesem Jahr nicht nur 70 Jahre alt geworden. Seine Story Jane, Baby Jane riecht nach Bar und einem guten Song von Willi Nelson. Und zu guter Letzt die Frage, bildet der Kriminalroman fort? In Morgen in der Früh bist du tot geht es um praktische Tipps für das perfekte Verbrechen.
     Jeder hat seine eigene Geschichte, wie er zum Krimi fand. Doch nach all den Jahren, was erwarten wir von einer Crime Story noch? Jedenfalls nicht, dass der Held statt Peter Tom heißt und alles beim Alten bleibt. Für Krimis gibt es keine Museen, keine Akademien, in denen Schriftsteller zu ewigem Ruhm erkoren werden. Im Antiquariat stöbern wir James M. Cain und seine Doppelte Abfindung als Jubiläumsausgabe für sagenhaft 3,95 DM auf und erinnern uns, dass sich nicht nur die Währung geändert hat.

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Polar Gazette