Inspiration für „Der Schakal“: Attentatsversuche auf Charles de Gaulle

Anknüpfungspunkte gab es für Forsyth mehr als genug: Der Unabhängigkeitskrieg der französischen Kolonie Algerien führte im Mutterland Frankreich zu einer Staatskrise. Zwar entschieden sich 75 % der Wähler im Inland per Volksentscheid für die Politik de Gaulles und die Unabhängigkeit Algeriens; in der Kolonie selbst waren es allerdings nur 40 % der Wahlberechtigten. 1962 wurde der Algerienkrieg mit dem Abkommen von Evian beendet.

     Nach Abzug der Truppen versuchte die rechtsgerichtete Organisation Armée Secrète (OAS), den vermeintlichen Vaterlandsverräter Charles de Gaulle zu beseitigen. Allein in den Jahren 1962 und 1963 wurden sieben Attentate auf den französischen Staatschef verübt.

     Der als Drahtzieher für die Schüsse auf das Ehepaar de Gaulle im Pariser Vorort Petit-Clamart entlarvte  Lieutenant Colonel Jean Bastien-Thiry wurde zum Tode verurteilt.

     Forsyth zeichnet die politisch-brisante Situation in Frankreich akribisch nach und führt die Geschehnisse konsequent weiter: Kurz vor ihrer Auflösung lässt er die OAS 1963 auf die Dienste eines britischen Profikillers zurückgreifen, um die Mission doch noch zu erfüllen: der unter dem Decknamen „Schakal“ operierende Spezialist wird auf de Gaulle angesetzt. Sein Preis allerdings ist hoch: 500 000 Dollar. Denn anschließend will er sich zur Ruhe setzen.

     Die OAS versucht, das Geld durch Banküberfälle zu organisieren, was die Aufmerksamkeit der Polizei erregt. Als ein OAS-Mitglied vom französischen Geheimdienst entführt und verhört wird, gesteht es unter Folter die heimlichen Pläne.

     Während sich der Schakal mit der präzisen Vorbereitung des Anschlags befasst, jedes Wort de Gaulles verinnerlicht und seine Schritte verfolgt, arbeitet der mit dem Fall beauftragte Kommissar Claude Lebel daran, den Attentäter zu stellen und involviert sogar die britischen Kollegen. Ein spannender Wettlauf durch Europa beginnt. Der Schakal hinterlässt eine blutige Spur: Zeugen, die ihn verraten könnten, werden aus dem Weg geräumt. Lebel und das Innenministerium setzen auf Polizeispitzel und involvieren sogar die korsische Mafia, um ihn zu fassen. Doch der Schakal ist wie ein Phantom, wechselt die Identitäten.

     Lebel ahnt, dass der Schakal am 25. August, dem Tag, an dem Paris der Befreiung von der Nazibesatzung gedenkt, zuschlagen wird. Denn Charles de Gaulle wird öffentlich auftreten…

     Dass er den Attentäter in einem furiosen Finale außer Gefecht setzen kann, ist letztendlich einem Zufall zu verdanken…  In diesem packenden Kopf-an-Kopf-Rennen steigert sich die Spannung durch die doppelte Insiderperspektive ins Unermessliche. Die tatsächliche Identität des Profikillers wird bis zum Schluss nicht enthüllt.

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