Der Böse geht,  das Böse bleibt

von Carsten Germis

Christian von Ditfurth hat Geschichte studiert. Daher mag seine Begeisterung stammen, historische Romane zu schreiben. Zweimal hat er sich in seinen Kriminalromanen mit dem Tod Adolf Hitlers befasst. Einmal, im „21. Juli“, malt er sich aus, das Attentat gegen Hitler im Juli 1944 wäre geglückt. In seinem Krimi „Der Consul“ wird Hitler ebenfalls ermordet. Dieses Mal ist es nicht der Tyrannenmord der Attentäter vom 20. Juli, der Ditfurth die Idee gegeben hat, sondern eine ganz andere Geschichte.

„Was wolltest Du mit dem Dolche? Sprich! “
„Die Stadt vom Tyrannen befreien.“

Diese beiden Zeilen aus Friedrich Schillers Ballade „Die Bürgschaft“ sind wohl eines der bekanntesten Beispiele der Literatur für den Tyrannenmord. Schon in der Antike finden sich Debatten darüber, ob und wann es legitim ist, einen Tyrannen zu töten. Der erste überlieferte Tyrannenmord geschah 514 v.Chr. Dieser Anschlag gilt bis heute als die Geburtsstunde der athenischen Demokratie. Die Bundesrepublik hat den Tyrannenmord mit ihrer Ehrung der Attentäter vom 20. Juli 1944 gar zu einem Teil ihrer Staatsräson gemacht. Der Versuch des Oberst Claus von Stauffenberg und seiner Mitverschwörer, den Tyrannen Adolf Hitler zu töten, war Notwehr. Stauffenberg soll einmal gesagt haben, Hitler sei das Böse an sich. Wer also wollte bestreiten, dass jeder Versuch, den Diktator zu töten, eine Heldentat war?

„Tyrann ist, wer uns zu Ehrlosen macht, wenn wir nicht widerstehen“, hat der Sozialdemokrat Carlo Schmid in seiner Gedenkrede am 20. Juli 1958 im Ehrenhof des Bendlerblocks in der Stauffenbergstraße in Berlin gesagt.

Kann man aus dem fiktiven Tod Adolf Hitlers einen Krimi machen? Es gibt genügend Menschen, die sich Hitler schon Anfang der dreißiger Jahre lieber tot als lebendig gewünscht haben dürften. Christian von Ditfurth ist das Kunststück gelungen, um die fiktive Ermordung Hitlers in der Schlussphase der Weimarer Republik einen spannenden Polit-Krimi zu schreiben. Und doch kann Ditfurths  Täter nicht für sich in Anspruch nehmen, einen Tyrannenmord und damit keinen Mord im Sinne des fünften Gebots und der Sittenlehre begangen zu haben. Ditfurth schafft das mit einem recht einfachen Trick. Mord und Totschlag sind in der Wirklichkeit zum größten Teil Beziehungstaten. Täter und Opfer kennen sich gut, sie haben einen Konflikt, der bis zur Gewalttat eskaliert. Auch der Mord an Hitler in Ditfurths Kriminalroman „ Der Consul“ wird nicht zur heroischen Helden-, sondern entpuppt sich am Ende als schlichte politische Beziehungstat.

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