Politik, Zeitgeschehen und Thriller.

von Thomas Wörtche

Geoffrey Households Roman „Rogue, male“ ist kein Roman über ein Attentat auf Hitler, obwohl es in dem Buch um ein Attentat auf Hitler geht.  Frederick Forsyths „The Day of the Jackal“ ist kein Roman über ein OAS-Attentat auf Charles de Gaulle, obwohl es in dem Buch um ein OAS-Attentat auf Charles de Gaulle geht. Olen Steinhauers Milo-Weaver-Trilogie geht um die neue weltpolitische Rolle Chinas, ohne ein öffentlich bekanntes Skandalon zu benennen, so wie Le Carrés Smiley-Romane Texte über die Feinstruktur des Kalten Krieges sind, ohne je ein bestimmtes Skandalon zum Thema zu haben. Zoë Becks neuer Thriller „Brixton Hill“ behandelt Gentrifizierung und Immobilienschweinereien in London, und für ihre Figuren geht es genau darum, so wie die Figuren von Robert W. Campbells Flannery-Romane („Junkyard Dog“ etc.) nur unter den lokalpolitischen Gegebenheiten der wards in Chicago so agieren können, wie sie agieren.

     Wir können die Reihe endlos fortsetzen. Charles McCarry & zig andere Autoren  beschäftigen sich mit dem Kennedy-Attentat, Watergate ist ein unerschöpfliches Thema, so wie „der Vietnam-Krieg“ oder „der Irak“. „9/11“-Romane, by the way, gibt es noch gar nicht so viele, wie man meinen könnte, aber jede Menge über das Innenleben von Geheimdiensten – von Jenny Siler, Brian Freemantle, dem großen Robert Littell oder dem eher noch größeren Ross Thomas.

     Und auch die Zugriffe auf die Polit-Thriller notorischen Themen könnten unterschiedlicher nicht sein: Strammer Hurrapatriotismus, um nichts Schlimmeres zu sagen, bei William Le Queux über John Buchan bis zu Ian Flemings James-Bond-Schwarten (der fröhliche camp-und Klamauk-Humor der 007-Filme weist zu dem großbritannischen Nationalchauvinismus der Romane glücklicherweise nur sehr gebrochen ironische Bezüge auf), meistens noch mit Rassismus, Xenophobie, Misogynie und aufgeregtem Anti-Intellektualismus ästhetisch so raffiniert wie ein Feldweg daherbratzend auf der einen Seite. Auf der anderen Seite intellektuell hochgerüstet, vor Bildung, Wissen und raffinierten Denkspielen nur so sprühend wie Anthony Price oder Robert Littell. Polit-Thriller können Sarkasmus-on-the-Rocks à la Ross Thomas sein und  labyrinthische Spiele um Lüge, Wahrheit, Schein und Sein à la Eric Ambler; sie können überzeichnen, um realistisch zu werden wie bei Lee Child („Underground“), sie können karikieren wie bei Jon Land, und sie können vermutlich auch das, was ihnen der eher biedere Jörg Fauser als Aufgabe ins Heft geschrieben hat: Erklären, wie es zugeht auf der Welt.

Ach!

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