Peace will mit seinen Krimis durch die Schichten der japanischen Hauptstadt graben. Was macht die totale Niederlage, die Japan wie Deutschland 1945 erlitten hatte, mit den Menschen? Was passierte mit den Seelen, im Denken und Handeln der Japaner unter der amerikanischen Besatzung? Wie ein Archäologe will sich Peace durch die Zeit vorarbeiten, um – wenn man so will – die Bedeutung, die Seele des Platzes Tokio zu finden. "Was hier passiert ist, ist alles mit Beton überdeckt worden", sagte er vor einiger Zeit in einem Interview. Tatsächlich ähnelt Tokio an der Oberfläche heute New York , ist die japanische Gesellschaft von außen betrachtet auf den ersten Blick sehr amerikanisch. " Doch das ist nur die Oberfläche, darunter überleben bis heute ganz andere Traditionen. Peace beschreibt das so. "Die Vergangenheit kommt immer wieder, sie wächst immer wieder zwischen den Rissen  hervor."

     Peace ist oft mit dem amerikanischen Schriftsteller James Ellroy verglichen worden, dessen Ort Los Angeles prägend für sein Schreiben waren.  Wie Ellroy nimmt sich auch Peace in seinen Romanen wirkliche Kriminalfälle zum Vorbild. In Japan veröffentlichte der amerikanische Journalist Mark Schreiber 1994 ein Buch über "Shocking Crimes of Postwar Japan." Der dort beschriebene Fall des Frauenmörders Yoshio Kodaira, der 1946 überführt wurde, diente Peace als Vorlage für "Tokio im Jahr Null". Vor der Nachkriegskulisse der durch die amerikanischen Luftangriffe zerstörten japanischen Hauptstadt jagt ein Polizist nach diesem Serienmörder. Doch welche Gewissheiten gibt es in der Stunde des Zusammenbruchs noch? "Niemand ist der, der er zu sein vorgibt", das ist die Kernaussage dieses Krimis aus den Ruinen Tokios. Das schließt den Kommissar Minami, der leider auch im deutschen Text mit dem irreführenden amerikanischen Dienstgrad Inspektor versehen  wird, mit ein. Im streng hierarchisch organisierten Tokioter Polizeiapparat ist Minami nur ein ganz kleines Rädchen; er muss sich tief verbeugen, um seine und die Existenz seiner Familie zu sichern. Es wäre spannend zu lesen, wie Peace seinen Kommissar in heutigen Zeiten schildern würde, in denen in Tokio ein Regierungschef Shinzo Abe den Ton angibt, der Japans Geschichte vor 1945 aller Gräuel zum Trotz als leuchtendes Vorbild preist und Schulbücher entsprechend umschreiben lässt.

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