Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
das Wort Loser klingt ins Deutsche übersetzt viel härter: Verlierer. Das klingt gleich nach ausgestoßen, Sozialamt vierter Stock, Zimmer 304. Hätten wir mit der deutschen Variante genauso schnell ein Nachsehen wie mit der sympathischen englisch/amerikanischen Loser-Variante, die nie etwas auf die Reihe bekommt? Zur falschen Zeit am falschen Ort auftaucht. Einen Coup nach dem anderen plant, ohne wirklich zu Geld zu kommen. von Wolfgang Franßen

Wir Loser!

Ein paar haben´s aber vorher schon schwer, schlimme Kindheit, schlimme Verhältnisse, eine körperliche Versehrtheit, Wahnsinn, nix auf die Kette gekriegt: Loser. Der kleine Dicke aus der Schule, unsportlich, nix mit Mädels: Loser. "Loser" war oder ist immer noch auf dem Schulhof eine üble Beschimpfung, gerne in der Kombination mit "Opfer". "Loser" wird auch im Erwachsenenalter benutzt, um die Konkurrenz niederzubügeln. Kein Loser zu sein, stützt das eigene Selbstbewusstsein. von Thomas Wörtche

Alle, die ihn nicht kannten

Kein Lachen, nicht mal ein Lächeln, sie sind konzentriert. Und einer von ihnen hat noch immer seine Hände gefaltet, wie zum Gebet. Das Arrangement, der Blick der vier, der nach schräg oben geht, die gefalteten Hände. Das alles hat etwas von dem Werk eines Bildhauers, wirkt beinahe unecht. Nun doch etwas Neugier, etwas Leben: 'Hat die Polizei deshalb in der Revaler Straße abgesperrt? Ist ihr was passiert?' von Matthias Wittekindt

Amerika ist überall

Der amerikanische Autor James Ellroy hat mit seinem ersten L.A.-Quartett und seiner Underworld-Trilogie die Grenzen des Kriminalromans gesprengt. Er will mit seinen Büchern schildern, was schlechte Menschen für die amerikanische Geschichte geleistet haben. Die liberale Welt sähe anders aus, hätte es nicht die Männer gegeben, die die Drecksarbeit machten. Für Ellroy ist es an der Zeit, einen neuen amerikanischen Mythos zu begründen. von Carsten Germis

Verlierer, Versager und Philip Marlowe

Zudem ist der Verlierer in der Kriminalliteratur überwiegend männlich. Bei weiblichen Figuren scheint zum einen das kompetitive Moment zu fehlen, das zu dieser Einordnung führt, zum anderen werden sogar in Werken, die dezidiert Frauen in den Mittelpunkt stellen, andere Erwartungen an ein „erfolgreiches“ Leben von Frauen als von Männern gestellt. von Sonja Hartl

Benjamin Whitmer im Gespräch mit Sonja Hartl

Ein alter Mann, der wild und hart gelebt hat, will manchmal einen jüngeren Mann vor denselben Fehlern bewahren, indem er einschreitet und ihn ein wenig beruhigt. Ich war auf beiden Seiten dieser Beziehung. Aber es funktioniert niemals. Junge Männer, die so wild sind, müssen ihre eigenen Fehler machen. Am besten ist, wenn man ihnen hilft, am Leben zu bleiben, bis sie aus dieser Phase herausgewachsen sind.

Jon Bassoff im Gespräch mit Alf Mayer

In der Genreliteratur gehen viele Autoren oft den einfachen Weg, die Tradition des Genres zu wahren. Ich aber komme gerne in knielanger Badehose und Wollweste zu einem förmlichen Abendessen. Ich glaube nicht an Gemütlichkeit – wie euer schönes deutsches Wort lautet -, und ich will auch nicht, dass andere es gemütlich haben.