Liebe Leserinnen, liebe Leser,

diesmal fällt mir das Editorial ziemlich leicht. Wie sehr der Begriff Noir in den letzten Jahren ausgehöhlt wurde, davon brauchen wir uns lediglich auf den Büchertischen in den Buchhandlungen zu überzeugen. Viele der Autoren im Polar Verlag sind dem Noir zugeneigt. Deswegen bin ich voreingenommen und würde gleich gegen alles loszetern wollen, was sich auf dem deutschen Buchmarkt so als „Noir“ brüstet. von Wolfgang Franßen

Zappenduster

Es geht um die Strahlkraft des Etiketts Noir, wobei die Strahlkraft des Schwarzen auch eine ziemlich schräge Metapher ist. Aber irgendwas verspricht man sich vermutlich davon. Dem berühmten „Abverkauf“ kann´s nicht unbedingt dienen, denn Schwarz-Werte sind nicht unbedingt breitenkompatibel, zumindest nicht bei Büchern. von Thomas Wörtche

Der letzte Freier

Bernd Küster bestieg den ersten Wagen der U2 in Richtung Berliner Tor. An der Station Osterstraße setzte sich ihm eine Mutter mit einem etwa vier, fünf Jahre alten Jungen gegenüber. Der Junge schleckte ein Eis. Die Mutter schlug die taz auf und begann zu lesen. Der Junge bekleckerte mit dem Eis sich und den Sitz. Bernd Küster schüttelte vorwurfsvoll den Kopf. Der Junge streckte ihm die Zunge raus. Bernd Küster war nahe daran, ihm eine zu knallen. von Frank Göhre

Hegels Fluch über dem deutschen Noir

Wenn sich die gesellschaftlichen Konflikte zuspitzen, dann schlägt die Stunde des Politthrillers. Immer mehr Romane werden unter dem Label des Noir auf den Markt gebracht. Doch gerade in der Bundesrepublik tun sich Autoren schwer mit dem Noir. Spukt zu viel Hegel, zu viel Marx im Denken deutscher Kriminalschriftsteller herum, um den Glauben an den Sieg des Guten in der Welt zu verlieren? von Carsten Germis

Domestic Noir – Ärgern über einen Begriff

Denn damit verortet "domestic noir" die Frauen in einer häuslichen Umgebung und innerhalb einer (heterosexuellen) Beziehung. An anderen Orten der Gesellschaft scheint sie keine Rolle zu spielen, vielmehr wird sie definiert durch ihr Haus und ihre Beziehung. Das ist reaktionär und konservativ, deshalb fällt es mir auch schwer, in all den Romanen über gefährliche Frauen und Ehen feministische Tendenzen zu erkennen. von Sonja Hartl

Caro Ramsey im Interview mit Len Wanner

Yes, I think so. It sounds like something Costello would say. I’m not really a feminist. I’m more of a humanist. I think people are important, and I like neither outrageous feminists nor outrageous anti-feminists. A lot of women do themselves a huge disservice by being rampant feminists, when they’d get better on by being nicer people.