Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wann begegnet uns der nächste große Gangster in einem Buch oder auf einer Leinwand, der gleich eine ganze Saga begründet? Die Serienmörder haben längst die Sammelalben erobert. Was zeichnete den Gangster früher aus, dass er sich zum Stammgast auf unseren Nachttischen aufschwang? Dass wir seinem Schicksal andächtig folgten und ihm die Verhaftung, aber nicht den Tod wünschten? Dass wir nicht genug von ihm bekommen konnten, wenn er so operettenhaft wie der Pate auftrat?  von Wolfgang Franßen

Gangster oder kleinkriminelle Lumpis?

Auch wenn wir mitdenken, dass die meisten deutschen Kriminal-Produktionen außerhalb von Heimatromanen und Schenkelklopf Klone internationaler Formate sind und diese nun mal gerade „Psycho“ oder Serialkiller heißen und dass dieser Umstand nicht weiter bemerkenswert ist, fällt doch die Abwesenheit des Gangster-Segmentes, das ja schließlich für die Kriminalliteratur per se zentral ist, schmerzhaft auf. von Thomas Wörtche

Stilles Wasser

Ich hatte auch ein paar Mädchen eingeladen, darunter Silvana, weil sie in meiner Klasse war und weil sie hübsch war und weil man sich über sie erzählte, sie würde mit Jungs mehr machen als die anderen Mädchen. Wir waren nicht die Sorte Jungs, die leicht Mädchen abbekamen. Wir waren die Außenseiter.  von Zoe Beck

Immer treu

Ohne Ordnung und Berufsverband geht es nicht in Deutschland. Daher gründeten die Gangster in Berlin schon zur Kaiserzeit Hilfswerke – die Ringvereine. Volker Kutscher hat den Verbrecher-Syndikaten in seinen Kriminalromanen aus der Endzeit der Weimarer Republik und den ersten Jahren der NS-Diktatur ein Denkmal gesetzt. So viel deutsche Gangster und dunkle Gestalten aus der Unterwelt gibt es im deutschen Kriminalroman sonst nicht. von Carsten Germis

Der Gangsterfilm ist tot

Der Gangsterfilm der 1930er-Jahre erzählte von Rückständigen der Gesellschaft und übte Sozialkritik, damit war er ein Wegbereiter des Film noir, der die Desillusionierung und Ernüchterung der Menschen angesichts des Ersten Weltkriegs, der Weltwirtschaftskrise, Roosevelts New Deal und des aufkommenden Zweiten Weltkriegs erfassen wird. von Sonja Hartl

Ray Banks im Interview mit Len Wanner

Seit Jahresanfang gibt es nun in der Polar Gazette eine neue Reihe. Interviews, die Len Wanner in „The Crime Interviews“ mit vielen Autoren und Autorinnen führte. Den Anfang macht Ray Banks, dessen zwei Kriminalromane „Dead Money“ und Saturday’s Child“ im Polar Verlag erschienen sind.

Der König ist tot, es lebe der König

Und dann kamen die Siebziger, Drogen, die Verlockung, noch schneller noch reicher zu werden. Es galt plötzlich nicht mehr, die Familie zu schützen, sondern die Organisation. Nicht mehr in einem Stadtteil, sondern im ganzen Staat. Postmodern gesagt ist jeder ersetzbar. Die früheren Gangster zogen sich in Schutzzonen zurück, gingen auf die Matratzen, aus denen sie so lange nicht vertrieben wurden, wie ihre kleine Armee bestehen blieb, die Korruptionspipeline in die Stadtverwaltung kein Leck aufwies. von Wolfgang Franßen