Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
seien wir doch mal ehrlich, wer verträgt schon Kritik? Am Theater, wo jeder von sich behauptet, entweder keine zu lesen oder dass Kritiken einen weiterbringen, sind sie gefürchtet. Von Inkompetenz bis persönlicher Rachefeldzug reichen da die Etiketten. Schlimmer als Kritik ist keine Kritik, lautet die Höchststrafe. Auch bei Lesern unterscheiden sich die Urteile gravierend. von Wolfgang Franßen

Kritik? Kritik!

Kritiken sind reine Geschmackssache. Kritiken sind subjektiv. Kann man alles auch anders sehen. Pure Meinung: Die Erde ist eine Scheibe, Gott hat die Welt in sieben Tagen erschaffen. Eine Meinung ist so gut wie die andere. Das ist demokratisch. von Thomas Wörtche

WIE WÜRDE ES IHNEN GEFALLEN?

Ich bin in der folgenden Zeit öfter an den Central Park South zurückgekehrt und habe den Kerl beobachtet. Ich dachte, ich hätte ihn vielleicht an einem schlechten Tag erwischt, aber schnell wurde mir klar, dass er die Peitsche regelmäßig einsetzte. Als ich ihn schließlich darauf ansprach, wurde er regelrecht rot vor Zorn. Einen Moment lang dachte ich, er würde mich mit der Peitsche angreifen, und ehrlich gesagt wäre mir das sehr recht gewesen, doch er lenkte seine Wut auf das arme Pferd, schlug es brutaler denn je und sah mich dabei an, als wartete er nur darauf, dass ich eingreifen würde. von Lawrence Block

Eine Liebeserklärung

Die Kritik ist ein Teil der kulturellen Öffentlichkeit. Jedoch bedeutet Leidenschaft für die und Liebe zu der Kunstform nicht automatisch auch Lob. Vielmehr geht es um das Verstehen des Werks, um die Auseinandersetzung mit ihm, um das Einordnen innerhalb eines Kunstzweigs. Und das führt zu einem großen Missverständnis über die Funktion und die Grenzen der Kritik: Kritik ist niemals objektiv. von Sonja Hartl

Drei Thesen zur Krimikritik in Deutschland

Auch auf der Angebotsseite, sollte man meinen, steht es so gut um die Krimikritik wie nie. Das mag damit zu tun haben, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Literaturwissenschaft an deutschen Universitäten Kriminalliteratur als schmuddelig ansah und sich damit nicht beschäftigen wollte.   von Carsten Germis