Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
die Liste ist lang und beständig. Auf ihr werden die Namen selten gelöscht und sie verlängert sich mit den Jahren. Wer würde schon Leonard, Hammett und James M. Cain davon streichen wollen, Sallis, Willeford oder Pelecanos nicht nach der ersten Begegnung mit ihnen daraufsetzen wollen. Manchmal taucht im Social Media der Aufruf nach den zehn besten Krimiautoren auf. Keine einzige geht ohne amerikanische Autoren online. von Wolfgang Franßen

Amerika

Aber, sagt man auch: Das ist alles gut und richtig so, denn vor allem die Deutschen, sie können es einfach nicht wirklich. Deswegen machen sich die Amis gar nicht die Mühe, wichtige deutsche Kriminalliteratur für ihren Markt zu übersetzen. Warum auch, wenn das sowieso nur Klone der eigenen Produktion sind?  von Thomas Wörtche

Fäden im Morgentau

Amerikaner stehen auf Teppichböden. Einer bunter gemustert als der andere. Ich habe tatsächlich Albträume, in denen ich von den schrillen Ornamenten blind werde. Ich schreie dann und irre orientierungslos mit ausgestreckten Händen umher. Irgendwann falle ich, werde von bunten Polyesterfäden vergewaltigt. Nach dem Teppich zu urteilen, könnten wir in einem Casino sein.  von Katja Bohnet

Ästhetisierung der Armut

Es ist ein Verdienst der Romane des Country Noir, die ländlichen Gegenden als Orte wieder ins Bewusstsein zu bringen. Zugleich bedient diese Hinwendung zu armen Schichten und zu dem vermeintlich einfachen Leben in der Natur eine verklärte Sehnsucht nach Distanz zu der modernen, technisierten Gesellschaft. von Sonja Hartl

Amerika ist überall

Kriminalromane füllen weltweit die Regale der Buchhandlungen und finden hunderte Millionen Leser. Maßstab für Autoren, die mehr als reine Unterhaltung schreiben wollen, bieten vor allem die “Hard-boiled”-Krimis aus den Vereinigten Staaten. Dafür gibt es Gründe – nur einer davon ist der globale Siegeszug des grenzen- und schrankenlosen Kapitalismus. von Carsten Germis