Liebe Leserinnen, liebe Leser,

geben wir es zu, wir alle vermissen den Kalten Krieg. Wie einfach war die Sicht auf die Welt: West gegen Ost, Sozialismus gegen Kapitalismus. Und auf beiden Seiten nichts als bleiernes Bürokratendenken, wenn nicht gerade eine schillernde Gestalt die Welt rettete. Auch die Themen waren übersichtlich. Die atomare Gefahr, der Diebstahl von geheimen Rüstungsplänen, das Topthema überhaupt: der Maulwurf. Aus und vorbei. Eine Mauer schützt uns nicht länger vor der Roten Gefahr. Oder ist sie gegen die westliche Dekadenz errichtet worden? von Wolfgang Franßen

George Smiley ist wieder da. Ein neuer Kalter Krieg, oder: Was soll uns das?

Als das Schachbrett weltpolitisch nicht mehr funktionierte, war das für viele Menschen ein Grund, damit auch den „klassischen“ Polit-Thriller für erledigt zu erklären. Die Persistenz dieser Vorstellung von Polit-Thriller allerdings ist schon bemerkenswert. Und selbst in der Negation bleibt das Muster bestehen… von Thomas Wörtche

Jalousie

Eine meiner Schwächen ist, ernst gemeinte Ratschläge meiner Frau für Witze zu halten, und das war auch der Grund, warum ich nun zweimal die Woche in meinem Passat die Zeit totschlug. Auf dem Beifahrersitz neben mir lagen Handy, Fotoapparat und Fernglas, zwei volle und eine angebrochene Packung Lucky Strike, eine Flasche Mineralwasser und ein zur Hälfte ausgefülltes Rätselheft, mit dem ich nicht recht weiterkam. von Bernhard Jaumann

Die Wurzel des Polit-Thrillers in Ostfriesland

Erskine Childers, Schriftsteller, Verteidiger des britischen Empire und später Kämpfer für die Unabhängigkeit Irlands schrieb den ersten richtigen Polit-Thriller, der bis heute weltweit bekannt ist. Was seine Helden 1903 auf der deutschen Nordsee erlebten, ist Strickmuster vieler Spionage- und Politikkrimis bis heute. von Carsten Germis

Die Unübersichtlichkeit der Welt

Johnsons Ostafrika ist ein völlig unübersichtlicher Teil der Weltkarte geworden. Durch Kolonialmächte und Geheimdienste ist dort alles durcheinandergeraten, jeder folgt nur noch seinen eigenen Interessen und sichert sein Überleben. Es gibt weder Loyalitäten noch Zugehörigkeiten, vielmehr scheint jeder potentiell mindestens ein doppeltes Spiel zu treiben. von Sonja Hartl

Charles Cumming im Interview mit Len Wanner

Ha! To be honest with you, no, I don’t. I feel uncomfortable in Scotland because of my educational background, my accent, my Englishness, even though my blood is almost entirely Scottish. I find a lot of the Scottish attitude to the South prejudiced, borderline racist, and it really annoys me. I have lots of Scottish friends and I grew up in Scotland, but there is an instinctive rejection and resentment of the English which makes me feel uncomfortable.